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Unternehmenskultur im Changeprozess – So macht man es richtig!

Event Rückblick: XING Puls HR Berlin - gesunde Unternehmenskultur

Angst im Wandel, neue Herausforderungen durch Changeprozesse und das Bewerkstelligen einer gesunden Unternehmenskultur – Themen, die wohl früher oder später für jedes Unternehmen relevant werden. Doch für jedes Problem gibt es auch Lösungsansätze. Einige Beispiele dazu, konnte sich das Searchtalent Team beim XING Puls HR in Berlin präsentieren lassen. Wir haben das spannende Event für Euch zusammengefasst.

Unternehmenskultur im Changeprozess

Meine beiden Kollegen Ines, Tom und auch meine Wenigkeit hatten am 12.06. das Vergnügen, an der zweiten Edition der Eventreihe “XING Puls HR Berlin”, die von der TAM Akademie GmbH organisiert wurde, teilzunehmen. Im Mittelpunkt des Events stand das Thema “Der Weg zur gesunden Unternehmenskultur”. Anhand von drei spannenden Vorträgen wurde dabei aufgezeigt, was eine gesunde Unternehmenskultur ausmacht und wie man diese sowohl in stetig wachsenden als auch kleineren Unternehmen implementiert und lebt.

Changeprozesse und die Angst im Wandel meistern

Nach einer kurzen Einleitung startete Andreas Steffen mit seinem Impulsvortrag zum Thema “Angst im Wandel”. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Andreas Steffen beruflich mit Veränderung und Potentialentfaltung und berät aktuell unter der Firmierung WENIGER. UND MEHR. Organisationen und Einzelpersonen zu Changeprozessen.

“80% aller Changeprozesse scheitern”

Ein ausschlaggebender Faktor für dieses Scheitern ist die Angst – sowohl bei Mitarbeitern als auch der Geschäftsführung. Seitens der Geschäftsführung ist es essentiell, vorab eine Vision festzulegen, denn: Angst entsteht vor allem durch eine fehlende Vision. Um einen erfolgreichen Changeprozess zu gewährleisten muss man Menschen klar aufzeigen, wohin die Reise geht und sich darüber hinaus intensiv mit den Ängsten und deren Beseitigung beschäftigen.

Andreas Steffen zeigte anschließend am konkreten Beispiel von Rolls-Royce, wie wichtig eine offene Fehlerkultur bei der Beseitigung von Angst ist:

“Dr. Robert Angst, Head of Business Improvement bei Rolls-Royce Deutschland, hielt Mitarbeiter im Qualitätsmanagement dazu an, bei Fehlern offen auf ihre Vorgesetzten zuzugehen. So sollte bspw. vermieden werden, dass ein Qualitätsmanager, aus Angst einen etwaigen Fehler anzusprechen, sich auch nach der Arbeit durchweg darüber den Kopf zerbricht, ob er die eine Schraube auch richtig in die Flugzeugturbine gesetzt hat. Diese Sorgen und Ängste werden durch direktes Ansprechen und Akzeptanz von Fehlern beseitigt.”

Für einen erfolgreichen Changeprozess spielt vor allem das “Mitnehmen” der Mitarbeiter durch eine klare Vision eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang stellte Andreas Steffen u.a. das Modell “The golden Circle” von Simon Sinek vor.

Das Modell ist in drei Kreise aufgeteilt: ganz außen steht das “Was”, im mittleren Kreis das “Wie” – die meisten Mitarbeiter/Unternehmer wissen, was sie tun und wie sie es tun. In der Mitte wird es jedoch mit dem “Warum” etwas komplizierter.

Grundsätzlich sollte jedes Unternehmen im ersten Schritt mit dem “Warum” beginnen. Denn das gut durchdachte “Warum” hilft dabei, Geschichten zu erzählen, Inspiration, Motivation und Emotionen entsehen zulassen und letztendlich Menschen mit auf eine Reise zu nehmen.

Übertragen auf die Changeprozess-Thematik sollte also jedes Unternehmen sich zunächst die Frage stellen, warum eine Veränderung sinnvoll und auch positiv ist. Dadurch lässt sich eine klare Vision definieren, die die Mitarbeiter nachvollziehen können und die sie (bestenfalls) motiviert, mit auf die Reise zu gehen.

Andreas Steffen zeigte durch seinen Vortrag, wie präsent und gängig Ängste am Arbeitsplatz heutzutage immer noch sind und wie wichtig es für Organisationen ist, offen über Ängste zu sprechen. Die Kombination aus einer offenen Fehlerkultur und einer klaren Vision unterstützt dabei, eine gesunde Unternehmenskultur zu etablieren und Changeprozesse erfolgreich umzusetzen.

Herausforderungen zwischen Change und Wachstum

Als zweite Rednerin war Heike Ehmann, Head of Human Resources bei der mymuesli GmbH, an der Reihe. Sie beschrieb zunächst die spannende Erfolgsgeschichte von mymuesli, die ein starkes Unternehmenswachstum (von 400 auf 800 Mitarbeitern!) beinhaltete, somit aber auch neue Herausforderungen mit sich brachte.

“Wie erhält man den Spaß bei starkem Wachstum?”

Durch das starke personelle Wachstum war die Einführung von Hierarchien und bürokratischen Prozessen irgendwann unabdingbar und man war vor die Frage gestellt, wie man trotz dessen den Spaß beibehält. In diesem Fall entschied sich mymuesli für agiles Denken und einen Holacracy-Ansatz, bei dem die Mitarbeiter in zugeteilten Kreisen größtenteils selbstorganisiert arbeiten. Dabei ist jede Rolle klar definiert, in sich abgeschlossen und auch messbar.

Generell versteht man dabei das Unternehmen als lebendigen Organismus, welches sich an den Prinzipien der Sinnhaftigkeit, Ganzheitlichkeit und Selbstführung orientiert. Um dem Ganzen trotzdem einen gewissen Rahmen zu geben, gibt es regelmäßige Government Meetings, bei denen evaluiert und angepasst wird.

Heike Ehmann beschrieb nach diesem spannenden Einblick in die Organisationsstruktur von mymuesli, welche Bedeutung agiles Denken und Holocracy auf die Organisation selbst hat.

“Hilfe zur Selbsthilfe”

Die Aufgabe der HR-Abteilung ist es zunächst, den Mitarbeitern beizubringen, sich selbst zu organisieren. Sobald dies geschafft ist, muss man keine einzelnen Weiterentwicklungsprogramme mehr schreiben, sondern kann sich individuell auf das konzentrieren, was der Mitarbeiter will. Somit agiert man als HRler als unterstützender Coach, der Hilfe zur Selbsthilfe gibt.

Für die Organisation selbst bringe dieser agile Ansatz mehr Transparenz, effiziente Meetings, die sehr gut vorbereitet sind und mehr Reflexion und kritisches Hinterfragen.

Mit ihrem Vortrag hat uns Heike Ehmann gezeigt, dass die Umstellung einer kompletten Unternehmensstruktur zwar sehr langwierig und aufwendig ist, der Spaß dabei jedoch nicht grundsätzlich verloren gehen muss. Starkes Wachstum muss nicht unmittelbar bedeuten, dass eine Organisation ab einer gewissen Unternehmensgröße grundsätzlich starr und nach festen Hierarchien agiert (wie man es oft von Großunternehmen kennt). Vielleicht könnten agile Modelle auch dabei helfen, Changeprozesse durch die Kombination aus Ganzheitlichkeit und Selbstbestimmung erfolgreicher zu machen.

Mit New Work zur gesunden Unternehmenskultur

Den Abschluss machte Lorenz Illing, Managing Partner bei der TAM Akademie GmbH, mit einem Impulsvortrag zum Thema “Eine gesunde Unternehmenskultur mit New Work“. Im Fokus stand die TAM Akademie GmbH selbst, die er und Frederic M. Fuchs vor gut 2,5 Jahren gegründet haben.

Um uns Teilnehmer erst einmal den Begriff New Work näher zu erläutern, brachte er Frithjof Bergmann, Philosoph und Begründer der New Work Bewegung, ins Spiel:

Zentrale Säulen von New Work

Smart Consumption

Erwerbsarbeit

“Do what you love”

Im Anschluss der Definition beschrieb Lorenz Illing dann, wie eine gesunde Unternehmenskultur mit Hilfe der Grundprinzipien von New Work bei TAM intern umgesetzt wird. Zum einen wird intern das “Intrapreneurship” gelebt, zum anderen gibt es keine Hierarchien, sondern zugeteilte Rollen – ähnlich wie bei mymuesli hat auch hier jede Rolle einen ganz klaren Zweck und ist durch festgelegte KPI messbar.

Zudem gibt es eine Urlaubs- sowie Weiterbildungsflat, wodurch die Mitarbeiter selbst darüber bestimmen können, wie viel Urlaub sie zur Erholung benötigen und was für Weiterbildungen sie für ihre Rolle als sinnvoll erachten. Ebenfalls gibt es für alle Mitarbeiter eine Gehaltsmitbestimmung. Auch Transparenz innerhalb des Unternehmens spielt eine sehr wichtige Rolle.

All diese Punkte sollen eine gesunde Unternehmenskultur fördern und dazu beitragen, dass die Mitarbeiter sich frei entfalten, Spaß an ihrer Arbeit haben und in einem tollen und wertschätzenden Unternehmensumfeld arbeiten können.

FAZIT

Insgesamt konnte man als Teilnehmer viele interessante Thesen, Modelle und Eindrücke aus dem XING Puls HR Berlin Event mitnehmen. Angefangen mit der Problematik von Angst am Arbeitsplatz, über die Wichtigkeit einer offenen Fehlerkultur und klaren Vision, bis hin zu zwei spannenden Cases, die zeigten, wie man Changeprozesse erfolgreich gestalten und eine gesunde und offene Unternehmenskultur etablieren kann.

Nicht zu vergessen sind die anregenden Diskussionsrunden, die uns Teilnehmern nach jedem Impulsvortrag die Möglichkeit gaben, offene Fragen mit den Rednern zu diskutieren. Auch das Networking untereinander kam durch die Networking-Pausen nicht zu kurz.

Im August startet die Eventreihe dann in die dritte Runde – nähere Infos folgen noch. Wir von Searchtalent freuen uns schon!

Über unsere Gastautorin

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Marleen Merke| HR Ambassadorin von Searchtalent

In ihrer Doppelrolle als Recruiter und HR Ambassador versucht Marleen Merke für Kunden unterschiedlichster Art Unicorns ausfindig zu machen und besucht darüber hinaus HR-Events und MeetUps. Neue Trends und Innovationen überschwemmen den Recruiting-Markt tagtäglich, weshalb es für Recruiter essentiell ist, stets auf dem aktuellsten Stand zu sein. Da jedoch nicht alle Recruiter die Zeit und Möglichkeit haben, an Events dieser Art teilzunehmen, fasst Marleen die erlangten Kenntnisse und Anregungen für den Searchtalent Blog zusammen.

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