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Probearbeit – Darauf müssen Personaler achten

Das sollten man zum Thema Probearbeit wissen!

Mehrere Bewerber in der engeren Auswahl? Oft hilft hier Probearbeit, um die richtige Entscheidung zu treffen. Wer Kandidaten zum Probearbeiten einlädt, sollte sich aber auch mit dessen rechtlichen Rahmenbedingungen beschäftigen. Wir verraten Euch worauf es ankommt!

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Laden wir die Kandidaten doch einfach ein. Na klar, aber nur unter bestimmten Bedingungen! Wer seine Bewerber beim Probearbeiten näher kennenlernen will, muss sich auch rechtlich an einige Spielregeln halten. Ein Tag Probearbeit sollte also gut organisiert werden.

Definition Probearbeit

Probearbeit ist ein Einfühlungsverhältnis und kein Arbeitsverhältnis. Die Maßnahme dient dem Zweck herauszufinden, ob der Kandidat zur ausgeschriebenen Stelle passt. Ein persönliches Kennenlernen findet dabei in einer Probearbeitszeit statt, bei dem der Bewerber das Team unterstützt und so erste Einblicke in den Arbeitsalltag bekommt.

Anders als bei der Probezeit besteht während dem Probearbeiten kein Arbeitsvertrag. Daher müssen alle Rahmenbedingungen in einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Bewerber vorab festgehalten werden.

Vorteile von Probearbeit

  • persönliches Kennenlernen mit dem Kandidaten
  • bessere Einschätzung der fachlichen und sozialen Kompetenzen
  • Einschätzung von Cultural Fit
  • Kandidat kann das Team und den Arbeitsplatz kennenlernen
  • Zusammenarbeit vor Ort

Probearbeit - Was muss vorab geklärt werden?

1. Vergütung und Aufwandsentschädigung

Für Probearbeit muss der Arbeitgeber keinen Lohn zahlen, eine freiwillige Aufwandsentschädigung ist aber möglich. Diese umfasst dabei die Kosten für Verpflegung und Anfahrt. Bei einer Entschädigung des Zeitaufwands müssen vorab zudem schriftlich die Rahmenbedingungen geklärt werden und es ist darauf hinzuweisen, dass es sich um Arbeitsleistungs-Vergütung handelt.

2. Vereinbarungen für eine Probearbeit

Bevor die Probearbeit beginnen kann, sollte eine Vereinbarung zwischen Kandidat und Unternehmen getroffen werden. Besonders aus rechtlichen Gründen ist dies wichtig. Das Sammeln von Daten vor und während der Probearbeit ist zudem für die spätere Auswertung und Analyse von großer Bedeutung.

Diese Punkte gehören in die Vereinbarung:

  • Vor- und Nachname des Kandidatens
  • Ort und Zeitraum
  • Ansprechpartner für den Kandidaten
  • Informationen zur Versicherung
  • Der Hinweis, dass die Arbeitsleistung nicht verpflichtend ist
  • Der Hinweis, dass kein Lohn gezahlt wird
  • Der Hinweis, dass die Probearbeit jederzeit und beidseitig beendet werden kann

3. Anmeldung und Versicherung

Da bei der Probearbeit kein Arbeitsvertrag besteht, muss das Unternehmen diese Maßnahme weder beim Finanzamt noch beim Sozialversicherungsträger melden. Bezieht der entsprechende Kandidat zum Zeitpunkt der Probearbeit staatliche Leistungen und ist beim Jobcenter oder der Arbeitsagentur gemeldet, gelten diese Regeln für folgende Fälle:

  1. Der Arbeitgeber stellt einen Arbeitsvertrag in Aussicht
    – der Arbeitgeber braucht für das Einfühlungsverhältnis eine Genehmigung, da es sich um eine Maßnahme zur beruflichen Wiedereingliederung handelt
  2. Der Arbeitgeber nutzt die Probearbeit, um fachliche und soziale Kompetenzen vor der Einstellung zu prüfen
    – der Kandidat ist automatisch über die zuständige Agentur sozialversichert

In Sachen Versicherung gilt außerdem folgendes:

  • Kandidat ist während der Probearbeit nicht sozialversicherungspflichtig
  • Sollte durch Fehler des Kandidatens ein Schaden für das Unternehmen entstehen greift dessen private Haftpflichtversicherung
  • Sollte der Kandidat einen Unfall während der Probearbeit erleiden, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht → Arbeitslosen sind unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich unfallversichert

Wie lang darf die Probearbeit dauern?

Laut Gesetz gibt es für die Dauer einer Probearbeit keine maximale Grenze. In der Regel sind die Kandidaten bei einem Probetag für einige Stunden vor Ort. Hier ist es auch ratsam gemeinsam mit dem Bewerber die Pause zu verbringen, um sich hier bei lockerer Atmosphäre näher kennenzulernen. Ein Probetag ist somit die gängigste Zeitspanne für Probearbeit.

Welche Aufgaben sind angebracht?

Grundsätzlich sollte ein Kandidate bei der Probearbeit auch einen Teil der Aufgaben übernehmen, die für ihn später in seiner Tätigkeit relevant sein werden. Es geht hierbei auch primär nicht darum, dass die Aufgaben im Alleingang und vollständig erledigt werden. Vielmehr geht es darum, dass Kandidat und Team zusammenkommen und gemeinsam an gegebenen Herausforderungen arbeiten.

Bei der Probearbeit ist der Kandidat aktiver Supporter des Teams.

Zwischen all den Voraussetzungen und Regeln sollte man den Kandidaten selbst und dessen Candidate Experience nicht aus den Augen verlieren. Auch der Bewerber hat sich viel Zeit für ein persönliches Kennenlernen genommen. Sollte es zu einer Absage kommen, ist es angemessen diesen telefonisch zu kontaktieren.

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