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Gläserne Decke – Berufliche Barrieren für Frauen

Das Phänomen Gläserne Decke und seine Folgen für Frauen und Unternehmenskultur

Keine Gleichberechtigung in deutschen Führungsetagen? Geringere Aufstiegschancen für Frauen? Ja, das ist Fakt und weniger Fiktion! Häufig ist diese Situation Folge der Gläsernen Decke. Was das Phänomen definiert, wie es Unternehmenskultur und Verhalten prägt und wie man die unsichtbare Barriere überwindet.

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Karrieren von Frauen stagnieren oder enden oft anders als die von ihren männlichen Kollegen, denn über dem Aufbau weiblicher Erfolgsgeschichten schwebt häufig ein unsichtbarer Schleier – die Gläserne Decke.

Gläserne Decke Definition

Die Gläserne Decke (erstmals „glass ceiling“ – USA 70er Jahre) bezeichnet eine nicht sichtbare Barriere, mit der Frauen im Verlauf ihrer Karriere häufig konfrontiert werden. Frauen können aufgrund dieser Barriere schwieriger einen erfolgreichen Aufstieg ins obere Management erreichen, als männliche Kollegen mit vergleichbaren Qualifikationen. Die Gläserne Decke umfasst dabei alle unsichtbaren Prozesse sowie Faktoren, die Frauen den Zugang in die Führungsebene erschweren.

Lange Zeit wurde das Phänomen “Gläserne Decke” als Gefühl oder Empfindung eingeordnet, bis zahlreiche Studien den Begriff klarer definierten, nachwiesen und greifbarer machten. 

Dabei geht es bei der unsichtbaren Barriere weniger um Ungleichheit oder Diskriminierung. Grundlegend entsteht der Effekt nämlich durch stereotype Rollenbilder, gesellschaftliche Prägung und nicht zuletzt durch die Zuschreibung arbeitsbezogener Eigenschaften auf bestimmte Geschlechter oder Ethnien. Somit wird Diskriminierung und fehlende Gleichberechtigung eher zu einer Folge der Gläsernen Decke.

Unternehmenskultur unter der Gläsernen Decke

Über Jahrzehnte hinweg war der Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die Führungsetage vor allem eines – von Männern dominiert und besetzt. Auch heute noch sind die Entscheider über Unternehmen und deren Kultur oft männlich. Eben diese Männer sind von Gesellschaft, Erwartungen und erlernten Rollenbildern geprägt, die sich über einen enormen Zeitraum nur langsam entwickelt haben.

Von Mann zu Mann

Verschiedene Studien belegen, dass Männer eher Männer fördern und begünstigen, da sie sich mit einem ähnlichen Gegenüber meist sicherer fühlen und sich somit zugleich ebenfalls in ihrer männlichen Rolle sicherer bewegen können. Häufiger geht der Kontakt zwischen Männern über die Arbeit hinaus und greift auch in der gemeinsamen Freizeitgestaltung, wodurch zusätzlich eine festere Bindung entsteht. In dieser homosozialen Gemeinschaften, die Frauen tendenziell sogar ausschließt, werden auch Eigenschaften, wie Durchsetzungsvermögen, Dominanz und Unabhängigkeit eher gesehen und belohnt.

Frauen müssen sich also wesentlich stärker bemühen und auf ihre Art Netzwerke schaffen, denn genau diese werden nicht selten als Erfolgsfaktoren weiblicher Karrieren angesehen.

Vorurteile und stereotype Eigenschaften

Dominanz und Stärke sind vermeintlich nicht nur wichtig für eine gute Führung, sondern werden auch heute noch vermehrt dem männlichen Geschlecht zugeordnet. Die Grundlage der Gläsernen Decke kommt noch immer von stereotypen Rollenbildern und Eigenschaften sowie Vorurteilen. Personalverantwortliche Entscheider geraten so immer wieder in ein Auswahl- und Verhaltensmuster, welches mehr geschlechtsspezifische als individuelle Einschätzungen und Schlüsse zulässt. So werden Frauen noch immer als überemotionalisierte Gruppe mit weniger Leistungsfähigkeit und mit weniger Eignung für diverse Tätigkeiten angesehen. 

Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, direkt, produktiv, selbstsicher

Fürsorge, Hilfsbereitschaft, verständnisvoll, nett, selbstlos, emotional, vertrauenswürdig

Begründet wird eine verminderte Leistungsfähigkeit und weniger Produktivität gerne über familiäre Verpflichtungen, Schwangerschaften und generell über die Mutterrolle der Frau. Spätestens an diesem Punkt sprechen wir von Diskriminierung, die auf alten Rollenbildern beruht.

Dieser Zusammenhang ist oft schon so in den Köpfen der Frauen verankert, dass sie sich selbst weniger zutrauen und als weniger produktiv empfinden. Eine Negativeinstellung, die Frauen länger in schlechteren Positionen verharren lässt und den Antrieb nimmt.

Unternehmensgröße und Mindset

Die Aufstiegschancen einer Frauen sind letztendlich auch vom Umfeld und dem Unternehmen selbst abhängig. Die Unternehmensgröße spielt dabei eine entscheidende Rolle. In großen Konzernen findet sich beispielsweise häufiger eine männerdominierte hierarchische Struktur, in der sich das Phänomen Gläserne Decke eher abzeichnen – im Mindset, in der Unternehmenskultur und in der Führung. Auch systematische Karriereplanung für Frauen oder Unterstützung bei Erwerbsunterbrechungen finden hier deutlich seltener statt.

In Startups, Klein- und Mittelständischen Unternehmen trifft man hingegen eher auf Frauen in der Führungsebene. Mehr Flexibilität, Familienfreundlichkeit und vor allem ein moderneres Mindset machen weibliche Karrieren einfacher möglich.

Gender Pay Gap

Die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern resultiert aus verschiedene komplexe Ursachen, eine davon ist aber auch ganz unumstritten die Gläserne Decke. Schon zu Beginn einer Karriere arbeiten Frauen für einen geringeren Einstiegslohn als Männer – bei gleicher Tätigkeit und Qualifizierung. Diese Lohnlücke hält sich seit einer gefühlten Ewigkeit konstant bei 21% (unbereinigter Gender Pay Gap). Mehr zu dem Thema Gender Pay Gap, findet Ihr auch hier:

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Gender Pay Gap - Alle Infos und Ursachen

Den Gläsernen Vorhang brechen - Mehr Chancengleichheit

Die Gläserne Decke ist gleichzeitig Spiegelfläche der Gesellschaft und deren Wandel. Es wird Zeit brauchen, bis sich alte Strukturen lösen und ein Mindset sowie ein Unternehmensumfeld mit mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit entstehen kann. Ein Beispiel oder vielmehr eine Aussicht darauf, geben die zahlreichen Unternehmen, die bereit für genau diesen Wandel sind, sich neu gründen oder umstrukturieren.

Damit wir diesen Pfad voranschreiten können, müssen wir weiterhin gesellschaftliche, geschlechtsspezifische Rollenbilder abbauen und so Step by Step alte Muster und Verkettungen auflösen, die bereits schon in frühester Kindheit entstehen und uns in die Arbeitswelt begleiten. Letztlich tragen wir also alle unseren Teil dazu bei, wie schwer oder leicht die Gläserne Decke in Zukunft für Frauen zu überwinden sein wird.

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