Employer Branding, Gastbeiträge, HR-Management

Gesunder Flow im Arbeitsleben – Gegen Stress im digitalen Wandel

So fördert man die Resilienz seiner Mitarbeiter!

Die Geschwindigkeit des Lebens hat zugenommen. Das Arbeitsleben wird dominiert durch digitale Geschäftsprozesse. Mit welchem Ergebnis? Wird digital effizienter gearbeitet oder ist das Resultat digitale Erschöpfung der Mitarbeiter? Sophie Carls entwickelt ein nachhaltiges Konzept für das betriebliche Gesundheitsmanagement in digitalisierten Firmen und hat sich mit diesem Thema genauer beschäftigt. All ihre Gedanken, findet Ihr in diesem interessanten Gastbeitrag.

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Der digitale Wandel findet in diesem Moment statt und die Digitalisierung bietet dabei viele Vorteile, vor allem in global agierenden Matrixstrukturen wird die Zusammenarbeit einfacher. Unternehmer sollten daher präventive Maßnahmen für Mitarbeitende am Arbeitsplatz schaffen. So wird die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter erhalten und digitale Erschöpfung der Arbeitskräfte wird vermieden.

Mitarbeitende sind am Arbeitsplatz vielfach digitalen Medien ausgesetzt. Dadurch entsteht täglich eine massive psychische Überbelastung am Arbeitsplatz. Der Mensch ist biologisch nicht geschaffen für digitales Multitasking und ist zudem ursprünglich ein Bewegungstier.

Bewegung hilft dem Mitarbeitenden mit Schreibtischjob und digitalisiertem Arbeitsleben, etwas für seine Gesundheit zu tun. Im Kopf werden Freiräume geschaffen. Die psychische Überbelastung des Mitarbeitenden wird ausgeglichen. Präventiv kann einer langfristigen Erkrankung des Mitarbeitenden entgegengewirkt werden. Als Gegenmaßnahme zum digitalen Arbeiten müssten also vermehrt Bewegungspausen angeordnet werden.

Neue Herausforderungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement

In Zeiten der Digitalisierung aller Geschäftsprozesse müssen Unternehmen neue Ansätze für das Präventions – und Gesundheitsmanagement finden. Das Angebot von Massageeinheiten am Arbeitsplatz oder Bezuschussung von Fitnessstudiomitgliedschaften genügt nicht, um ein nachhaltig wirkendes betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen.

Unternehmen müssen neue Maßnahmen im Präventions- und Gesundheitsmanagement ihres Betriebs schaffen. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung muss die Mitarbeitergesundheit nachhaltig stabilisiert werden. Die Mitarbeitenden müssen mental und körperlich gestärkt werden, um der digitalen Beschleunigung die Stirn zu bieten.

Resilienzförderung durch gesunde Mitarbeiterführung

Wie fördern wir also die Resilienz der Mitarbeitenden? Wie können, als Gegenpol zur digitalen Flut, neue Freiräume für den Mitarbeitenden als Mensch geschaffen werden?

Yoga für den Flow im Arbeitsleben

Wer Yoga regelmäßig praktiziert, kennt die reinigende und entschleunigende Wirkung. Die innere Klarheit, die die regelmäßige Yogapraxis uns schenkt – vor der Yogastunde ist man noch abgehetzt, leicht aggressiv vom alltäglichen Terminstress, genervt von jedem, der sich einem auch nur ansatzweise in den Weg stellt. Nach der Yogastunde schwebt man mit einer inneren Ruhe und Gelassenheit durch die Welt. Yoga ist Akupunktur für die Seele.

Christina Brown beschreibt in ihrem Buch Yoga Bibel sehr treffend:

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„Für viele Menschen ist ihr Smartphone das Erste, was sie morgens in die Hand nehmen, und das Letzte, auf das sie abends noch einen Blick werfen. Das ständige „Beschäftigtsein hat den persönlichen Freiraum eingeschränkt. Dieser Freiraum ist das Gegenteil von Stress, und ein Schlüsselfaktor, um Stress abbauen zu können. Während Stress den Horizont verengt und emotional verspannt, machen Freiräume uns locker und erweitern unseren Horizont. (…)

(…) Yoga-Haltungen ermöglichen es dem Körper, sich innerlich frei und weit zu fühlen. Sie wirken dem Stress durch Verbindung von Körper und Geist entgegen. (…)“.

Projiziert auf die Arbeitswelt, ist es genau dieser Freiraum, der Beschäftigten durch ständige digitale Erreichbarkeit geraubt wird, um eine Erholung für die nächste Aufgabe, das nächste Meeting, den nächsten Arbeitstag oder die eigene berufliche Weiterentwicklung zuzulassen. Verletzt ein Arbeitgeber durch digitales „Verheizen“ seiner Beschäftigten nicht auch mittelbar seine ihm gemäß § 618 BGB obliegende Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer?

Es ist wahrlich nichts Neues, dass in Unternehmen Yogakurse praktiziert werden. Es geht hier nicht allein um die praktische Ausführung von Asana-Abfolgen. Der Achtsamkeitsgedanke in der Zusammenarbeit steht im Vordergrund. Der Achtsamkeitsgedanke in der Zusammenarbeit muss Teil der Unternehmenskultur werden.

Wie führe ich mein Unternehmen achtsam?

Indem man Elemente und Leitbilder aus dem Yoga in die Führungspraxis übernimmt:

„Behalte den Blick auf Deiner Matte.“

„Schau nicht wie tief Dein Nachbar in die Asana findet. Schau wie Du in die Asana findest.“

„Zwing Dich niemals in eine Bewegung. Achte Deine eigenen Grenzen.“

Es kann sehr gewinnbringend sein, Leitsätze aus dem Yoga auf die Führungspraxis im Unternehmen zu übertragen. Mitarbeitende sollten lernen die eigenen Fähigkeiten kennen und schätzen zu lernen. Mit diesem bewussten Umgang wird das Bewusstsein für die eigene Weiterentwicklung im Unternehmen gefördert. Von dieser achtsamen Grundeinstellung kann jedes Team und jeder Bereich in einem Unternehmen profitieren.

Meditation für Führungskräfte

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Genau wie Yoga macht auch Meditation den Geist frei und kann bei der Führung von Beschäftigten sogar helfen, denn Meditation verändert etwas tief in uns. Es lässt uns bei konsequenter regelmäßiger Praxis uns mit uns selbst, unserem Körper und unseren Mitmenschen anders umgehen. Achtsamer. Resilienzsteigernd.

Meditation fördert die Konzentrationsfähigkeit durch die Fokussierung auf ein Meditationsobjekt. Auch das Verhältnis zu Stress kann mit Meditation verändert werden und hat nachweislich Auswirkung auf das Stresshormon Kortisol.

Mit einem regelmäßigen Meditationstraining kann der Stresspegel nachhaltig gesenkt werden, so bestätigt dies auch Birgit Schönberger in ihrem Artikel „Die heilende Kraft der Meditation“. Ein dauerhaft erhöhter Kortisolspiegel kann chronisch werden, und krank machen. Das haben Studien erwiesen. Leicht entwickeln sich aus chronischem Stress emotionale, mentale oder physische Gesundheitsprobleme. Mediation senkt bei regelmäßiger Praxis nachhaltig den Kortisolspiegel. Somit kann Meditation präventiv und heilend gegen Stress eingesetzt werden.

Sie stellen sich nun sicher die Frage, wer macht denn so was?

Meditieren im Unternehmen?

Immer mehr Unternehmen setzen auf die Kraft der Meditation bei der Entwicklung ihrer Führungskräfte. Unternehmensberater und Meditationslehrer Paul Kothes gibt in seinem Buch „Mit Achtsamkeit in Führung“ in einem umfangreichen Best-Practice-Teil Tipps und Anregungen, wie man in verschiedenen Unternehmensbereichen Meditationstechniken und Achtsamkeit gezielt umsetzen kann.

Ebenso beschreibt uns Michael Schwalbach, selbst Unternehmensberater, Executive-Coach und Yogalehrer, in seinem Buch „Gute Führung durch Yoga und Meditation“ die mögliche Wirkung von Yoga und Meditation auf die Mitarbeiterführung in Unternehmen.

Alles nur ein Trend?

Nein, ich denke nicht. Bereits im Jahr 2004 schrieb Lisa Becker in der FAZ in ihrem Artikel „Mit der Klarheit und Stärke eines Samurai“ wie Führungskräfte durch Zen-Meditation ihre Kraftzentren wecken können. Durch Konzentration auf das Wesentliche lernen Mitarbeitende gelassener mit sich und der Umwelt umzugehen.

Eine bewusst ausgeübte Gelassenheit und Achtsamkeit der Führungskraft wird sich auf das Beschäftigtenverhalten auswirken. Die Führungskraft geht mit gutem Beispiel voran.

Weitere Faktoren für gesundheitliche Stabilität im Betrieb

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Letztlich können neben Yoga und Meditation auch andere geeignete Alternativen herangezogen werden, die den Stresspegel bei Beschäftigten im Unternehmen senken. Auch der Kollege auf vier Pfoten soll bekanntlich für mehr Wohlbefinden im Unternehmen sorgen. Durch das Streicheln des vierbeinigen Kameraden wird im menschlichen Gehirn das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches ebenfalls den Kortisolspiegel sinken lässt.

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Digital Detox

Statt einer monetären Prämie für besondere Leistungen könnte man Beschäftigte mit kleinen Reisen belohnen, die sie selbst erholen lässt und umgekehrt dem Unternehmen im Nachhinein eine ausgeruhte Arbeitskraft beschert. Im Umkehrschluss wird die Leistung der Beschäftigten mit einer entschleunigenden Maßnahme belohnt. Ebenso könnte man solche Reisen als Jubiläumsgeschenk im Hinblick auf Betriebszugehörigkeiten festlegen. Es gibt vielerlei Herbergen, organisierte Reisen und Events, die zum „abschalten“ animieren:

Ebenso stressreduzierende Maßnahmen in der innerbetrieblichen Organisation könnten die Folgenden sein:

  • Kein Zugang der Beschäftigten zum eigenen Firmen-E-Mail-Postfach nach 19.00 Uhr
  • Erreichbarkeit über Diensthandys nur während Dienstreisen der Beschäftigten
  • Handy- und Laptop-freie Zonen im Unternehmensgebäude, zum Beispiel in Kantinen, Küchen und Sofa-Ecken
  • Beschränkung der Kommunikationskanäle im Unternehmen

Ausblick

Die dargestellten Erörterungen sollen nicht dazu animieren, sich in die Eingangshalle des eigenen Unternehmens neben den Empfang einen Buddha aufzustellen und mit Yoga & Meditation zu beginnen. Vielmehr geht der Denkansatz dieses Beitrags in die Richtung eines achtsamen Miteinanders in der heutigen Arbeitswelt.

Die beschriebenen Methoden sind Denkansätze. Es sollen Wege dargestellt werden, die den Arbeitnehmer in der heutigen Zeit begleitend zum digitalen Wandel stabilisieren und gesund halten. Mehr Achtsamkeit in der Arbeitswelt: Eine Win-Win-Situation für Unternehmer und Beschäftigte.

  1. Zacharias in: „Trends im betrieblichen Gesundheitsmanagement“, S. 36 ff.
  2. Straub in “Encouraging Leadership – Ermutigend führen”, S. 228 ff.
  3. Brown in „Yoga Bibel“, S. 346 ff.
  4. Schönberger in: Psychologie heute, 03/2018, S. 21 ff.
  5. Struhs-Wehr, „Betriebliches Gesundheitsmanagement und Führung“, S. 36 ff.

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/meditation-mit-der-klarheit-und-staerke-eines-samurai-1194624.html

Über unsere Gastautorin

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Sophie Carls

Im August 2017 gründete Sophie ihre Unternehmensberatung SOCACONSULT und begleitet ihre Kunden seither in digitalen Transformationsphasen, Change-Prozessen, in der Organisationsberatung sowie ebenfalls als Unterstützung bei strategischen und operativen Fragestellungen im Bereich Human Resources.

Sophie, ursprünglich studierte Juristin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht, ist ausgebildete Trainerin/Coach bei artop – ein Institut an der Humboldt Universität. Daneben ist Sophie lizensierte Fitnesstrainerin, begeisterte Ausdauersportlerin sowie Yogalehrerin. Zudem studiert sie berufsbegleitend Präventions- und Gesundheitsmanagement an der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft.

Bei ihrem breiten Tätigkeitsfeld begegnet Sophie immer wieder der Fragestellung, welche Zukunft die Ressource Mensch in der digitalen Businesswelt haben wird. Aus dieser Beobachtung und ihrer Leidenschaft zu körperlicher Fitness heraus entstand die Idee für die Gründung der SOCASPORTS Corporate Health UG (haftungsbeschränkt) i.G.. Sophie möchte mit SOCASPORTS Unternehmen dabei unterstützen, ein nachhaltiges Konzept für das betriebliche Gesundheitsmanagement im digitalisierten Betrieb zu schaffen. In das Konzept werden zum einen strategische Aspekte aus dem Bereich des Präventions- und Gesundheitsmanagements im Betrieb integriert. Zum anderen sollen zur Steigerung der Resilienz des Mitarbeitenden gezielte Maßnahmen im Bereich Firmenfitness implementiert werden.

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