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Forderungen von Generation Z als Chance verstehen

Warum Generation Z so selbstbewusst ist

Die Arbeitswelt hat sich stark gewandelt, auch weil wir nun immer häufiger Generation Z unter den Mitarbeitern antreffen. Darauf muss sich manch ein Kollege erst noch einstellen. Was das konkret bedeutet, weiß Wirtschaftssoziologe und Generationenforscher Lorenz Schlotter nur zu gut und berichtet in diesem Beitrag über die Ansprüche von Generation Z. So werden junge Arbeitnehmer zur großen Chance vieler Unternehmen.

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Generation Z (Jahrgänge 1995-2010) tritt bei Personalverantwortlichen und Führungskräften oft sehr selbstbewusst auf. Vor allem die älteren Semester fordert dieses Verhalten heraus. Denn früher, als man noch „die Ärmel hochkrempelte“ und sagte: „erst die Arbeit dann das Vergnügen”, da wäre die Generation Z nicht weit gekommen. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Was fordert die Generation Z ein?

Bundesweit fordert die junge Generation Z Wohlfühlatmosphäre und Spaß bei der Arbeit, freundliche Vorgesetzte und nette Kollegen. Klingt nach Schlaraffenland: nicht ganz realistisch, aber auch nicht verkehrt. Schließlich gibt es niemanden, der so etwas nicht gerne hätte. Der Unterschied ist: keine Generation hat diese Dinge bislang so selbstbewusst eingefordert wie diese Generation. Ergebnisse der Studie Generationenkompass 2019 zeigen, dass von allen Dingen im Beruf für sie das angenehme Arbeitsklima mit Abstand am wichtigsten ist. Woran liegt das?

Gute Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt

Aus Sicherheit entstehen neue Bedürfnisse: Die Generation Z blickt sehr optimistisch auf den Arbeitsmarkt der Zukunft und hat nur geringe Befürchtungen, in Zukunft ohne Job dazustehen. Während vor allem Generation Y die Folgen der Finanzkrise erlebte und viele nur durch unbezahlte Praktika den Einstieg in den Arbeitsmarkt fanden, findet Generation Z eine vergleichsweise paradiesische Situation vor: Vollbeschäftigung, hohe Nachfrage nach jungen Fachkräften und Unternehmen, die sich richtig Mühe geben, für ihre Bewerber zu glänzen. Kurzum: Generation Z weiß, dass ihnen der demografische Wandel Rückenwind gibt und die Bemühungen der Arbeitgeber um junge Fachkräfte immer stärker werden.

Erziehung und Wertewandel

Entscheidend ist auch der Wandel der Eltern-Kind-Beziehungen und der Werte. Während früher autoritär erzogen wurde, werden Kinder heute in familiäre Entscheidungen oft miteinbezogen: sie lernen, dass ihre Meinung wichtig ist und gehört wird. Ebenso haben Eltern gelernt, dass sie Ihre Entscheidungen auch bei ihren Kindern plausibel erklären müssen. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist im neuen Jahrtausend partnerschaftlich und freundschaftlich.

Wichtig ist immer, was für eine Generation als normal wahrgenommen wird. Ist es normal, dass die eigene Meinung etwas zählt und man in seiner Individualität gestärkt wird? Das man als junger Mensch ernstgenommen wird? Mit diesen Ansprüchen tritt Generation Z auch an die Berufswelt heran. Dort treffen junge Leute oft auf vollkommen gegensätzliche Situationen und beißen mit ihrem Selbstverständnis auf Granit.

Allerdings spielt hier auch der Wertewandel mit rein. Wertewandel beschreibt in diesem Fall die Veränderung gesellschaftlicher Leitwerte in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland. Diese Werte haben sich vereinfacht dargestellt von:

Tradition, Gehorsam und Pflichtbewusstsein

zu

Individualismus, Selbstverwirklichung & Freizeitorientierung

entwickelt.

Stark hierarchisch geprägte Organisationen, in denen Autorität und Tradition noch eine größere Rolle spielen sind der Generation Z schlichtweg fremd. Für sie kommen diese älteren Wertvorstellungen aus einer anderen, unbekannten Zeit. Die Generation Z ist letztlich das Ergebnis unseres Zeitgeistes und damit schlichtweg primär durch unsere modernen Werte geprägt.

Forderungen von Generation Z - Wie andere reagieren

Wenn ich Workshops für Personaler halte und ihnen zeige, welche künftigen Herausforderungen auf HR zukommen, habe ich schon oft erlebt, dass sich Vertreter der älteren Generationen ärgern. Dann heißt es in etwa: „Die sind doch alle verzogen, sollen sich jetzt alle nach denen richten? Früher hat man gearbeitet und nicht erwartet, dass alles Spaß macht“.

Sicherlich, vieles muss man relativiert betrachten. Aber Forderungen nach angenehmer Zusammenarbeit und sinnstiftender Arbeit ist menschlich und das selbstbewusste Einfordern dieser Dinge durch die Generation Z ist eine Chance für jeden Arbeitgeber, sich über die eigene Mission Gedanken zu machen.

FAZIT

Bieten Sie nur Stellenbeschreibungen an oder sind Sie in der Lage, die Mission einer Stelle zu verkaufen? Schaffen Sie eine Ellbogenmentalität am Arbeitsplatz oder einen Ort an den sich Menschen entwickeln können und gerne hingehen? Diese Fragen sind unabhängig von jungen Generationen wichtig, vor allem mit Hinblick auf die schrumpfende Erwerbsbevölkerung und der Wichtigkeit der Arbeitgeberattraktivität. Dass diese Dinge nun aktiv von Generation Z eingefordert werden, sollte als Chance verstanden werden sich intensiv damit zu befassen.

Über unseren Gastautor

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Lorenz Schlotter

Wirtschaftssoziologe und Generationenforscher

Lorenz Schlotter kreiert Lösungen für HR durch die Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen und erforscht die Ansprüche junger Generationen an die Arbeitswelt. Sein Wissen aus Beratungspraxis und der eigenen Studienreihe Generationenkompass teilt er gerne als Generationenspeaker. Mehr unter: www.lorenz-schlotter.de

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