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Frauenquote – Diskriminierung, statt Ursachenbekämpfung?

Brauchen wir die Frauenquote oder einfach ein neues Mindset?

Die Frauenquote ist die Antwort mit Aussicht auf mehr Gleichberechtigung und neue Chancen für weibliche Karrieren. Erfüllt die Quote aber am Ende wirklich ihren Zweck oder wird das eigentliche Problem nur übergangen? Unser Recruiter Sascha hat sich genauer mit dem Thema beschäftigt.

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Im März 2015 hat der Bundestag das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst“ beschlossen. Es legt eine Quote von mindestens 30% Frauen in Aufsichtsräten voll mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen fest, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt wurden. Aktuell treffen diese beiden Kriterien auf 105 deutsche Firmen zu.

Die Meinungen zu diesem Gesetz sind gemischt. Warum das so ist, möchte ich Euch anhand eines konkreten Beispiels näher erklären.

Die Frage der Frauenquote

Simone und Jan arbeiten beide in einem nationalen Großunternehmen und besetzen aktuell gleiche Positionen. Vor einigen Monaten ist das Gesetz der Frauenquote in Kraft getreten, wovon auch ihre eigene Firma betroffen ist. Das beschriebene Großunternehmen hat eine Führungsriege bestehend aus 3 Leuten, alle drei männlich. Vor 2 Wochen hat sich einer dieser Mitglieder in den Ruhestand verabschiedet – ein Nachfolger wird gesucht. Sowohl Jan als auch Simone kommen für diese Rolle in Frage und sind bereits im Gespräch. Nach mehreren Meetings und Verhandlungen wird Simone als Nachfolgerin gewählt.

Nun sitzt Simone in ihrem neuen Büro und stellt sich folgende Frage:

Wurde ich vielleicht nur aufgrund der Frauenquote in diese Position befördert und hätte Jan vielleicht viel besser gepasst?

Fern ab davon, wie nun die Antwort darauf lautet, schauen wir uns doch mal die Fragestellung vor der Frauenquote an und gehen davon aus: Jan hat die Stelle bekommen.

Simone sitzt auch in diesem Szenario an ihrem Schreibtisch und stellt sich die Frage:

Wurde Jan die Stelle vielleicht nur zugesprochen, weil er ein Mann ist? 

Ganz egal wie die tatsächlichen Auswahlkriterien aussehen, dass sich Simone als Frau diese Frage überhaupt stellen muss, ist doch das Kernproblem!?

Ist dieses Szenario nun Diskriminierung oder nicht? Rechtlich gesehen nicht unbedingt, da Simone nicht benachteiligt wurde. Trotzdem ist eine ungleiche Behandlung aufgrund des Geschlechts nicht ausgeschlossen.

Ursache Geschlechterrolle

Der Hauptgrund der beschriebenen Situation findet sich auch heute noch im traditionellen Rollenverständnis. Die Welt ist voll von Medien, die Rollenbilder verstärken und der Akzeptanz für “Neues” entgegenwirken, hauptsächlich durch das Bedienen geschlechtsspezifischer Stereotype. Die Vorbehalte gegen die Erwerbstätigkeit der Frau hat einen langen geschichtlichen Hintergrund. Eine Veränderung setzt sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch und hält bis heute an. Dazu einige bedeutsame Fakten.

Meilensteine:

Noch heute verhindern Geschlechterstereotype eine objektive Auswahl und spielen bei der Einstellung und Beförderung meist unterbewusst eine Rolle. In einer Studie des Wissenschaftszentrums in Berlin, wurden Personalern aus 126 Ausbildungsberufen fiktive Lebensläufe vorgelegt. Selbst bei gleichen Angaben, wurden Frauen in vermeintlich männlichen Branchen eine wesentlich schlechtere Bewertung gegeben, die im Schnitt einer ganzen Schulnote entsprechen. In klassischen “Frauenberufen” wurden Männer hingegen fair bewertet. Es sollte nicht das Ziel sein, Frau und Mann in ihren Interessen gleich zu stellen, sehr wohl aber das statische System der klassischen Rollenverteilung aufzubrechen und umzudenken.

An dieser Stelle möchte ich sehr gerne Frau Weitekamp zitieren, die in ihrem Beitrag der t3n die eigentliche Funktion der Frauenquote sehr treffend beschreibt:

Wer darauf angewiesen ist, dass sich andere Leute um die eigenen Anliegen kümmern, ist in einer schwachen Position. Wirksamer ist es, selbst auf dem Stuhl zu sitzen und zu gestalten. Dieser Stuhl nennt sich Chefsessel und ist leider immer noch schwer erreichbar für viele Frauen, Alleinerziehende und Teilzeitkräfte.

Option eins: hoffen, dass sich die Strukturen ändern – irgendwann könnte es ja (zufällig) so weit sein.

Option zwei: mit einer Quote dafür sorgen, dass jeder eine Chance auf den Chefsessel hat – und dann dabei zusehen, wie der Strukturwandel seinen Lauf nimmt.

Nichts anderes steht hinter der Frauenquote: Die Politik greift ein, damit sich die realen Verhältnisse schneller ändern. Herrscht in den Chefetagen erst einmal Vielfalt, profitiert auch die Unternehmenskultur und zwar so lange, bis es die Quote nicht mehr braucht.”

Zurück zum Schreibtisch von Simone. Fühlt sie sich nun zu unrecht bevorzugt? Ich glaube kaum, dass sie diesem Szenario auch nur einen Gedanken widmet. Männer haben sich vor der Frauenquote diese Frage ja auch nicht gestellt, oder? Wie so viele andere Frauen da draußen, ist sich Simone ihrer Qualifikationen bewusst und kann sich stolz ihren neuen Aufgaben widmen. Sich dabei für die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz einzusetzen, wird eine davon sein.

Searchtalent is female - Wir sind für mehr Gleichberechtigung!

Hinter dem Begriff Gleichberechtigung in der Arbeitswelt steckt wesentlich mehr als das Zusprechen gleicher Rechte für jedermann, wie zum Beispiel durch die Frauenquote. Sie ist lediglich Basis und ebnet den Weg eines viel höher gesteckten Zieles, der Selbstverwirklichung. Jeder Mensch, frei von Gender, Sexualität und Herkunft sollte die Möglichkeiten haben seine Stärken und Interessen zu verfolgen und diese auch in der Arbeit gewinnbringend einzusetzen. Vermeintlich männliche Berufe werden schon lange nicht mehr nur von Männern besetzt. Von diesem Rollenbild sollten wir uns so langsam verabschieden. Daher möchten wir auf die bestehende Ungleichheit von Frau und Mann in der Arbeitswelt aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.

Über unseren Autor

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Sascha Hönlein | Recruiter von Searchtalent

Sascha ist als Recruiter bei Searchtalent tätig. Seine Einstellung – Lebenszeit ist zu kostbar, um in der Arbeit nur einen Mittel zum Zweck zu sehen. Als Recruiter möchte er Menschen dabei helfen den Job zu finden, für den es sich wirklich lohnt morgens aufzustehen.

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