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Das erleben Frauen im Arbeitsalltag!

Searchtalent is female: Diese Geschichten erzählen uns Frauen

“Wenn der Rock kurz ist, kannst du auch besser Netzwerken.“ Solche Sätze sind Teil einer modernen Arbeitswelt, ebenso wie Frauen, die auch im Jahr 2020 noch immer mit verschiedensten Diskriminierungen und Benachteiligungen im Berufsleben konfrontiert werden. Wir möchten Euch daher heute einige persönliche Geschichten von Frauen im Arbeitsalltag erzählen, die uns bewegt haben.

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Im Rahmen unserer Searchtalent Umfrage – Frauen in der Arbeitswelt – hatten Frauen die Möglichkeit über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten. Dabei stand besonders das Thema Benachteiligung und Diskriminierung im Vordergrund.

Neben Multiple Choice Fragen, wollten wir auch gerne einen Raum für die Geschichten hinter den Frauen bieten. Große Themen sind dabei häufig die allgemeine Gleichstellung, der Gender Pay Gap, Sexismus sowie auch Schwangerschaft und  Mutterschaft.

Wir möchten vorab anmerken, dass die folgenden Stories sich ausschließlich mit Benachteiligungen aller Art im Arbeitsumfeld beschäftigen. In unserer Umfrage gaben 18% an, in keiner Situation ihrer bisherigen beruflichen Karriere benachteiligt worden zu sein. Die Beispiele zeigen dabei Ausschnitte aus dem Leben unserer befragten Frauen. Wir übernehmen keine Gewähr für Aktualität und Richtigkeit der Aussagen und geben diese sinngemäß für Euch wieder. 

Allgemeine Gleichstellung - Beförderungen nur für Männer?

Die Frage nach Chancengleichheit stellt sich vielen Frauen bereits in den einfachsten Situationen im Arbeitsalltag. Nicht nur im Bewerbungsprozess, auch im Unternehmen selbst berichten uns Frauen von Ungleichheiten zwischen ihnen und ihren männlichen Kollegen. Von nicht ernst genommenen Ideen und Impulsen, bis hin zu übergangenen Beförderungen, ist einiges dabei:

“Als die Stelle für den Head of X frei wurde, gab es nur 2 potenzielle Anwärter mit der passenden Qualifikation und Erfahrung – meinen männlichen Kollegen und mich. In einem internen Meeting wurde dann ohne weiteres kommuniziert, dass mein Kollege die Stelle übernehmen würde. Man hatte mich nicht mal gefragt.

Ich reagierte daraufhin mit einer Beschwerde. Die Antwort aus dem Führungsteam implizierte mir voller entsetzen, dass man hier wirklich keine Chancenungleichheit vorwerfen könnte. Es ginge doch immer gerecht zu im Unternehmen und Frauenförderung würde ganz groß geschrieben.

Letztendlich bekam dann mein Kollege die Stelle.”

“Ich bin müde stark zu sein. Mein Kollege wurde immer für meinen Chef gehalten, obwohl wir gleichgestellt waren. Im Unternehmen wurde diese Tatsache nie klar kommuniziert, daher dachten einige er sei mein Chef.”

“Trotz erfolgreicher Leitung von wichtigen, strategischen Projekten wurden nur die mitarbeitenden Herren im Plenum gelobt. Dieses systematische Ignorieren von weiblichen Erfolgen ist der Belegschaft inzwischen offensichtlich. Logische Konsequenz davon, ist das Besetzen von Führungsposition vorrangig mit Männern.”

“Ich nahm bei einem Online-Vorstellungsgespräch mit einer weiteren Bewerberin und einem Bewerber teil. Die Bewerberinnen waren pünktlich, der Bewerber kommt jedoch 5 Minuten zu spät. Trotzdem wurde er wie folgt begrüßt:„Herr x, Sie sind hier der Hahn im Korb, erzählen Sie am besten als erstes von sich.“ Im weiteren Verlauf hieß es, dass die beiden Bewerberinnen angeblich schlecht gehört wurden. Merklich wurde der Mann stets bevorzugt. Selbst wenn er fachlich inkorrekte Antworten gab, wurde er hofiert.”

Sexismus - Wo sind die Grenzen?

Sexismus führt viele Frauen regelmäßig in unangenehme Situationen. Die unbewusste oder auch bewusste Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, wird häufig viel zu leicht abgetan. Laut unserer Umfrage, wurden 37% der Frauen schon mit Sexismus am Arbeitsplatz konfrontiert, darin eingeschlossen sind verbale und auch körperliche Belästigungen. 

“Auf der Suche nach einer besseren Stelle innerhalb des Unternehmens, sagte mir mein Vorgesetzter, dass es schwierig werden würde, da ich ja eine Frau sei und lediglich Sekretariats- oder Frauen-Büro-Jobs machen könne. 

Ich habe einen Fachwirt und mich darüber hinaus privat weitergebildet. Das alles nützt mir aber nichts, da ich weder männlich bin noch studiert habe. Die finale Aussage am Ende der Konversation – ein Mann braucht doch eine richtige Arbeit und nicht solche Frauenarbeit (Sekretariatsjob).”

“Ich wurde einmal gebeten eine längere Hose anzuziehen, weil die “Jungs” sich beschwert haben, dass die kurze Hose sie ablenkt.“

“Kommentare zur Kleidung und Farben, die man als Frau zu tragen hat oder auch Aussagen wie: Zum Termin kommt eine Blondine, sie ist aber schlau…”

“Mein ehemaliger Chef meinte vor einem Event einmal zu mir:”Wenn der Rock kurz ist, kannst du auch besser Netzwerken.“ Beim selbigen Unternehmen wurde ich zudem weit unter Wert bezahlt.”

“In meiner letzten Anstellung bei einer Metallbaufirma gab es täglich Sprüche, dass wir Frauen nichts können, außer gut aussehen und Männer geil machen. Wenn einer meiner männlichen Kollegen etwas mit mir an meinem PC besprochen hat, hieß es nur:“Oh, Frau X zeigt dem nächsten Kollegen ihre Nacktbilder!“”

“Ich arbeite bei einem IT-Dienstleister. Von einem Kunden bekam ich die Antwort:“Ich möchte Sie nicht auf der Baustelle sehen, Frauen gehören da einfach nicht hin. Das soll jetzt nicht diskriminierend sein, aber das ist keine Arbeit, die eine Frau erledigen kann.“

“Meine fachliche Frage wurde mir von einem Mann über einen Vergleich zu meiner Küchentätigkeit erklärt:”Schauen Sie, Sie kennen das ja auch aus der Küche von den Töpfen“ … da waren selbst meine Begleiter fassungslos – nur eines von vielen Beispielen. Man muss dazu aber sagen, dass die Anspielungen in den letzten Jahren weniger geworden sind. Trotzdem hat man konstant das Gefühl als Frau mehr leisten zu müssen, um als gleichwertig wahrgenommen zu werden.”

“Bemerkung des Geschäftsführers an einem beliebigen Tag im Unternehmen: Frau X hat einen knackigen Hintern, schöne Brüste und sieht gut aus am Empfang, ihr Abschluss und was sie kann interessiert da eigentlich weniger.“

Gender Pay Gap - Leistung zahlt sich aus!?

Ungleicher Lohn für gleichwertige Tätigkeit – die Hälfte unserer befragten Frauen berichten, dass sie weniger Gehalt bekommen, als ihre männlichen Kollegen. Woran das liegt? Schaut Euch die Antworten dazu selbst an:

“Ich werde mit über 1.000€ weniger bezahlt, obwohl ich ähnliche Erfahrungen und mehr Diplome, als meine Kollegen vorweisen kann. Mein Geschäftsführer hat mir versucht zu erklären, dass die „schlechten Zahlen der Firma“ daran schuld sind. Da ich im Einkaufsbereich nahe der Buchhaltungsabteilung arbeite, kenne ich unsere Zahlen aber selbst sehr gut –  in 6 Monaten haben wir den ganzen Umsatz des Jahres 2019 erreicht, zudem wurden innerhalb von 2 Monaten 6 neue Arbeitsplätze geschaffen.”

“Das durchschnittliche Gehalt, welches ich in vielen Positionen angeboten bekomme, ist niedriger als das, was die Männer für die gleichen Stellen angeboten bekommen.”

“Vergleichbare Funktion, bessere Leistung, weniger Geld bzw. kein Auto.”

“Neuer Kollege: gleiche Ausbildung, Berufseinsteiger. Er verdient dennoch mehr als ich mit meiner 1-jährigen Berufserfahrung.”

“Meine Mitbewohnerin und ich haben nach dem Studium im gleichen Unternehmen weniger als unsere männlichen Kommilitonen erhalten.”

“Bei Gesprächen mit meinem einzigen männlichen Arbeitskollegen in einem Team von 11 Leute, (davon 10 Frauen) stellte sich raus, dass er fast das doppelte Gehalt bekam. Dabei waren viele von uns weiblichen Kollegen wesentlich höher qualifiziert.”

Schwangerschaft und Mutterschaft - Mit Kind ist Karriere vorbei

Zum Schluss möchten wir noch auf ein weiteres sensibles Thema eingehen, denn die meisten persönlichen Berichte, drehten sich um Frauen und Ihre Mutterrolle. Diese wird nicht nur willkürlich an Frauen im passenden Alter verteilt, sondern auch oft als Schwäche beurteilt.  Zitat: “schwangere, tickende Zeitbombe“

“Bei der Bewerbung für eine Vollzeitstelle wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich doch einen kleinen Sohn hätte und ich deswegen nicht Vollzeit arbeiten könnte. Da habe ich erwidert, dass mein Sohn ja auch noch einen Vater hätte. Ich wurde nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.”

“Meine Kollegin in Elternzeit wird bei jeder Gehaltserhöhungsrunde übergangen (sie ist ja nicht physisch anwesend), wodurch sie innerhalb von 5 Jahren keinerlei Anpassung erfährt.”

“Zitate der Vorgesetzten:“Frauen verdienen weniger, weil sie schwanger werden, das muss ausgeglichen werden. Wie wollen Sie als Frau diesen Job machen, wo Sie doch ständig unterwegs sein müssen?“”

“Ich bin 32, kinderlos und lebe mit meinem Freund zusammen… da könnte ich mir ja vielleicht ein Kind wünschen. Ich möchte kündigen und habe bereits einige Vorstellungsgespräche gehabt. Für 2 Unternehmen war genau dieses Schwangerschaftsrisikos der Grund, warum sie mich nicht einstellen würden.”

“Im Bewerbungsprozess wurde immer wieder auf die nicht erlaubte Frage angespielt, ob man dann nicht bald für 2 Jahre Elternzeit sowieso weg wäre und was dem Arbeitgeber im Gegenzug Sicherheit geben könnte.”

“Aussage aus einem Vorstellungsgespräch: „Sie planen nicht in den nächsten 5-10 Jahren Mutter zu werden, oder? Wir brauchen Mitarbeiter, die ihre Arbeit ernst nehmen und keine falschen Prioritäten setzen. Sonst trennen wir uns.“

“Im Bewerbungsprozess aussortiert wegen der Möglichkeit einer zukünftigen Schwangerschaft.”

“Im Bewerbungsprozess wurden Fragen zur Familienplanung gestellt. Wenn man diese nicht beantwortet hat, wurde eine Augenbraue hochgezogen.”

“Ich wurde von meinem Vorgesetzten immer wieder (auch vor Kollegen) beim Mittagessen gefragt, ob ich schwanger wäre.”

“Während meiner Schwangerschaft hat der männliche Vorgesetzte meine Schwangerschaft an das Team erwähnt, ohne mein Erlaubnis.”

“Nach der Elternzeit habe ich meine Stelle verloren, es wurde neue Mitarbeiter eingestellt und seitdem (jetzt 4 Jahre) habe ich keine zu meinen Qualifikationen passenden Aufgaben bekommen. Die Begründung – sei doch froh, dass deine Arbeit nicht so herausfordernd ist, so kannst du dich besser auf dein Kind konzentrieren.”

“Im Bewerbungsgespräch wurden die im Lebenslauf nicht erwähnten Kinder mehrmal thematisiert. Meine Argumentation, dass ich mich von meinem Privatleben beruflich nicht beeinflussen lasse, da ich ein gut funktionierendes Netzwerk habe, nahm mein Gegenüber (weiblich) ebenfalls nicht positiv auf.”

“Nach Mutterschutz erstmal wieder „beweisen“, da ein Kind von männlichen Kollegen oft als Hindernis betrachtet wird.”

Searchtalent is female - Wir sind für mehr Gleichberechtigung!

Diese Stories aus dem Arbeitsalltag zeigen, dass es noch immer Rede- und Handlungsbedarf beim Thema Gleichstellung von Frauen gibt. Vielleicht gibt es unter unseren Leser|innen noch einige Stimmen, die hier unter diesem Beitrag von ihren Erfahrungen über Benachteiligungen in der Arbeitswelt berichten möchten. Wir freuen uns über Euer Statement zu dem Thema, egal ob Bewerber|in, Recruiter|in oder Arbeitnehmer|in.

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