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Digitalisierung – Die humane Gestaltung der digitalen Arbeit

Event Rückblick: ABF-Fachtagung 2019

Die Digitalisierung stellt Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen. Zwischen Automatisierung und technischen Fortschritt müssen wir uns immer wieder über die humane Gestaltung der digitalisierten Arbeit Gedanken machen. Auf der Fachtagung des Arbeit, Bildung und Forschung e.V. (ABF) hatten wir Gelegenheit über dieses Thema zu diskutieren. Unsere HR Ambassadorin Marleen war vor Ort und berichtet in diesem Beitrag über große Unternehmen im digitalen Wandel.

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Seit nunmehr 40 Jahren arbeitet, bildet und forscht der ABF e.V. mit dem Ziel, einen Beitrag zur Humanisierung der Arbeit zu leisten. WissenschaftlerInnen, TrainerInnen, BeraterInnen und Coaches zählen u.a. zu den Mitgliedern. Dementsprechend war auch eine bunte Mischung an Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen auf der ABF-Fachtagung vertreten.

Passend zum Thema Digitalisierung begann die Veranstaltung mit einer Live-Befragung der Teilnehmer, dank App und Software konnte man das Ergebnis auf der Leinwand mitverfolgen. Ein interessanter Einstieg!

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Die anschließende Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Siegfried Greif und Prof. Dr. Martin Bellmann gab dann noch die Basis zum digitalen Thementag. Diskutiert wurde dabei, aus arbeitspsychologischer und arbeitssoziologischer Sicht, welches die größten Herausforderungen und Vorteile der Digitalisierung sind.

Digitalisierung - Vor- und Nachteile für Unternehmen

Einer der größten Vorteile in vielen Branchen, ist die Abnahme von körperlicher Belastung, durch den Einsatz von Robotern und zugleich die Zeit- und Kostenersparnis durch automatisierte Arbeitsschritte. Einer der größten Nachteile ist hingegen die Überforderung und Überlastung vieler Arbeitnehmer durch sich ständig ändernde Prozesse.

+ Zeitersparnis

+ Kostenersparnis

- Überforderung durch ständige Veränderungen

- Fehlendes Wissen über digitale Prozesse

Aufgrund der steigenden Schnelllebigkeit werden immer öfter neue Systeme und Technologien in Unternehmen implementiert, sodass sich Arbeitnehmer stetig weiterbilden müssen. Vor allem Arbeitnehmer, die nicht in einer digitalisierten Welt aufgewachsen sind, haben damit oft große Schwierigkeiten.

Große Unternehmen und der Schritt zur Digitalisierung

Ein riesiges Unternehmen, zahlreiche langjährige Mitarbeiter und nun die Digitalisierung. Genau vor diesem Problem stand die AOK Nordost, die in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen zur Digitalisierung umgesetzt hat. Annegret Koch, Leiterin für Personalentwicklung und Ausbildung, beschrieb die Schwierigkeit, dass viele der AOK-Mitarbeiter schon seit Abschluss ihrer Ausbildung im Unternehmen tätig sind. Jahrzehntelang wussten sie genau, welche Aufgaben zu erledigen sind und wie sie diese umsetzen können. Sie hatten somit ihre festgelegten Aufgabenbereiche und Prozesse – Spezialisten auf ihrem Gebiet.

Der Weg vom Spezialist zum Generalist

Mit der Digitalisierung und den damit verbundenen Neuerungen kam dann erstmals das “Nicht-Wissen” auf. Hier ist es essentiell gewesen, die Arbeitnehmer abzuholen und ihnen innerhalb von Entwicklungsgesprächen und Coachings beizubringen, wie man mit diesem “Nicht-Wissen” umgeht. Auch eine offene Fehlerkultur spielte hierbei eine große Rolle. So hat es Arbeitnehmer gegeben, die sich bis dato nie in der digitalen Welt bewegt hatten und für die dieses “Nicht-Wissen” unangenehm, gar beschämend war.

Auch das Wegfallen jahrelang durchgeführter Tätigkeiten durch Automatisierung stieß bei vielen Mitarbeitern aus der Sachbearbeitung auf Unbehagen. Einige mussten sich aus ihrer Wohlfühl-Spezialisten-Rolle in eine Generalisten-Rolle bewegen.

Digitalisierung im Sinne des Kunden

Neben dem Einbezug der Mitarbeiter bestand eine weitere, große Herausforderung der AOK Nordost vor allem darin, den sich ändernden Anforderungen und Erwartungen der Kunden gerecht zu werden. Neben den bereits automatisierten Prozessen, wie bspw. der Einführung von Algorithmen bei der Überprüfung von Rechnungen, hätten noch viel mehr Prozesse digitalisiert werden können. Jedoch gibt es durchaus Bereiche, die der Kunde gar nicht digitalisiert haben möchte – nämlich dort wo menschlicher Kontakt aus Kundensicht unabdingbar ist. Dementsprechend musste die AOK Nordost den Balanceakt zwischen Kunden- und Mitarbeiterinteressen bewerkstelligen.

Humane Gestaltung auf dem Weg der Digitalisierung

Aus den vergangen Herausforderungen haben sowohl Geschäftsführung als auch Personalabteilung der AOK Nordost gelernt, wie wichtig es ist, bei großen Veränderungen in regelmäßige und umfassende Schulungen und Entwicklungsgespräche zu investieren. Neben dem technischen Verständnis für neue Software und Prozesse, sollten dabei auch besonders die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Fokus stehen. Berührungsängste und Skepsis gegenüber der Digitalisierung sollen abgelegt, Vorteile und Nutzen hingegen klar aufgezeigt und verständlich gemacht werden.

FAZIT

Auf der ABF-Fachtagung hatten sowohl Redner aus Wissenschaft, Psychologie und Wirtschaft die Möglichkeit, Vor- und Nachteile der Digitalisierung aufzuzeigen.

Vor allem durch den AOK Nordost Case konnte man die Herausforderungen der heutigen, digitalisierten Arbeitswelt anhand eines konkreten Beispiels/Unternehmens erkennen. Spannend war es zu erfahren, was für Maßnahmen solch ein großes Unternehmen mit vielen langjährigen Mitarbeiterin ergreift, um den humanen Aspekt der Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren und somit einen erfolgreichen Change Prozess zu meistern. Es sollte, neben technischen Neuerungen, vor allem in die Abholung der Mitarbeiter durch Schulungen und Entwicklungsgespräche investiert werden. Denn letztendlich ist und bleibt der Mensch das wichtigste Kapital eines Unternehmens.

Als Besucher hat man viele Impulse und Insights erhalten und konnte zusätzlich mit den anderen Teilnehmer in den offenen Austausch gehen.

Über unsere Gastautorin

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Marleen Merke| HR Ambassadorin von Searchtalent

In ihrer Doppelrolle als Recruiter und HR Ambassador versucht Marleen Merke für Kunden unterschiedlichster Art Unicorns ausfindig zu machen und besucht darüber hinaus HR-Events und MeetUps. Neue Trends und Innovationen überschwemmen den Recruiting-Markt tagtäglich, weshalb es für Recruiter essentiell ist, stets auf dem aktuellsten Stand zu sein. Da jedoch nicht alle Recruiter die Zeit und Möglichkeit haben, an Events dieser Art teilzunehmen, fasst Marleen die erlangten Kenntnisse und Anregungen für den Searchtalent Blog zusammen.

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