Berufseinstieg in der Corona-Zeit
Gastbeiträge, HR-Management

Berufseinstieg während der Corona-Krise: Lebensmittelchemikerin Nina Simon berichtet

Auf unserem HR-Blog haben wir in den letzten Monaten dargestellt, wie Recruiter:innen mit den Herausforderungen, welche die Corona-Pandemie für Unternehmen und Personalabteilungen mit sich gebracht hat, umgehen können. Aber wie ist es Bewerber:innen in dieser Zeit eigentlich ergangen?

In diesem Blogbeitrag erzählt Nina Simon, Lebensmittelchemikerin, über ihren Berufseinstieg während der Corona-Krise – und liefert sowohl für Bewerber:innen als auch Personaler:innen spannende Insights.

Berufseinstieg in der Corona-Zeit

Mein Berufseinstieg - Corona-Edition!

Gastbeitrag von Nina Simon

Der Berufseinstieg ist für jeden eine turbulente Zeit: Abschlussprüfungen wollen vorbereitet und bestanden werden, nebenbei schreibt man etliche Bewerbungen und hofft auf einen guten Arbeitsplatz. An sich bietet diese Situation also genug Stresspotential. Addiert man noch eine Pandemie, wird die Sache erst richtig interessant. Im heutigen Artikel möchte ich euch deshalb von meinen Erfahrungen beim Übergang vom Studium in den Beruf während der Corona-Krise erzählen.

Der Abschluss steht an. Und dann?

Nach einem einjährigen Freiwilligendienst, den ich direkt nach dem Abitur absolvierte, entschied ich mich für den Studiengang Lebensmittelchemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, da er die perfekte Mischung zwei meiner Leidenschaften ist. Dabei handelt es sich um ein Fach, das an vielen Universitäten in Deutschland mit einem Staatsexamen abgeschlossen wird, so auch in Erlangen. Im Anschluss können ein zweites Staatsexamen und damit der Titel „staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker“ erlangt werden.

Hierfür muss ein weiteres Ausbildungsjahr am Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) absolviert werden, was ein Großteil der Studierenden auch tut. 

Somit war die erste tiefgreifende Entscheidung gegen Ende des Studiums: Weitermachen oder Geld verdienen? Schnell stand für mich fest: Ich habe genug von der Uni, ich möchte Geld verdienen und auf eigenen Beinen stehen! 

Schwierige Jobsuche – schon vor der Pandemie

Im September 2019 absolvierte ich die Kolloquien des ersten Staatsexamens, woran sich noch ein Semester anschloss, in dem ich meine Abschlussarbeit verfasste. Diese sollte Ende April 2020 fertig sein, sodass ich den Berufseinstieg für Juni plante. Ich bewarb mich ab Oktober auf verschiedene Stellen, was zunächst wenig Erfolg, dafür aber umso mehr Frust einbrachte. Da mein Freund bereits in München arbeitete, war ich örtlich und damit auch die Stellenausschreibungen sehr begrenzt. Zusätzlich schienen nur sehr wenige Arbeitgeber nach Absolvent:innen zu suchen, das Wort „Erfahrung“ konnte ich bald nicht mehr sehen. Nach vier Monaten, etlichen Bewerbungen und lediglich einem Interview fing ich langsam an nervös zu werden. Die Jobsuche war zumindest in meinem Berufszweig also bereits eine Herausforderung, als noch niemand mit einer Pandemie gerechnet hätte. 

Schließlich kamen im neuen Jahr die Corona-Pandemie und damit weitere Sorgen hinzu: Wie wird sich der Stellenmarkt entwickeln? Werden Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten weniger Mitarbeiter:innen einstellen? Ich fertigte meine Abschlussarbeit in einer Kinderklinik an, sodass ich die Auswirkungen wie Maskenpflicht und Einlasskontrollen sehr frühzeitig mitbekam. Auch dort stellte sich mir die Frage, inwiefern ich meine Laborarbeiten abschließen konnte. Insgesamt verschärfte die Pandemie die Stresssituation „Jobsuche während der Abschlussarbeit“ undeutlich.

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Chemie Jobs

So lief das Vorstellungsgespräch in der Corona-Zeit ab

Ende Februar begann das Blatt sich zu wenden. Ich hatte zwei Interviews via Skype, die jeweils in ein zweites Bewerbungsgespräch in München mündeten: eine Stelle als Mitarbeiterin in einem Auftragslabor im Bereich Metabolomics, die andere bei BELFOR Europe GmbH als Chemikerin im anwendungstechnischen Analyselabor. 

Ihrer Zeit einige Wochen voraus war Corona bei BELFOR bereits ein Thema: kein Händeschütteln, Mindestabstand beim gesamten Interview und der anschließenden Betriebsführung. Diese zu diesem Zeitpunkt sehr strengen Maßnahmen waren wenig verwunderlich, da BELFOR auch im Bereich Desinfektion von Büros, Lagern oder auch ganzen Kreuzfahrtschiffen tätig ist.

Ich erhielt für beide Stellen ein Angebot, was mich unglaublich erleichterte. Monatelanges Bangen und Zweifeln hatten endlich ein Ende: Der Berufseinstieg während Corona schien möglich! Ich entschied mich aufgrund des interessanteren Stellenprofils und der sympathischen zukünftigen Kolleg:innen für die Stelle bei BELFOR. Beim Umzug nach München während des Lockdowns zeigten sich die wenigen Vorteile der Pandemie. Leere Straßen und die Möglichkeit zur Ummeldung per Post sorgten für einen reibungslosen Ablauf und immerhin halfen die mangelnden sozialen Aktivitäten dabei, dass ich meine Abschlussarbeit rechtzeitig fertigstellen konnte.

Die ersten Wochen im neuen Beruf: von Onboarding bis Homeoffice

Zwei Wochen nach Abgabe meiner Abschlussarbeit trat ich meine Stelle bei BELFOR an. In der Zwischenzeit waren die Hygienemaßnahmen erweitert worden, was die Einarbeitung erschwerte. Nebeneinander am Rechner sitzen, um das System zu erklären, das Vorgehen bei der Probenaufarbeitung und der Bedienung der Analysegeräte demonstrieren oder Autofahrten zur Baustelle, um Sanierungsmittel zu testen: All das sind Situationen, in denen man sich gezwungenermaßen näher als die empfohlenen 1,5 Meter kommt. Lebensmittelchemie JobTrotzdem schafften es meine Kolleg:innen, mich schnell in die Quantifizierung von Anionen zur Einschätzung des Korrosionsrisikos, der Analyse von toxischen Metallen und der (Weiter-) Entwicklung von Sanierungsmitteln einzuarbeiten. Teamgeist, die vom Unternehmen bereitgestellte Schutzausrüstung wie Mund-Nasen-Masken und etwas Kreativität machten es möglich.

Ich fühlte mich von Anfang an ernst genommen, wurde nach meiner fachlichen Meinung gefragt und bekam meine eigenen kleinen Projekte zugeteilt. So konnte ich meine Kenntnisse aus dem Studium einbringen, wenn es um Themen wie Geruch, Mikrobiologie und Lebensmittelproduktion ging, und lernte gleichzeitig viel über mir noch fremde Bereiche wie Baustoffe, Folgen von Brand- und Wasserschäden und Sanierungsmethoden. 

Zusätzlich durfte ich meinen Chef schon sehr früh bei Tagesausflügen zum Beispiel zu (potenziellen) Kunden begleiten und kleine Module in den Schulungen unterstützen. Trotz allem arbeitete auch ich wie viele andere im Homeoffice, aber dort bekam ich ebenfalls spannende Aufträge, bei denen ich meine Sprachkenntnisse und Kreativität einbringen konnte. 

Bewerbt euch – es lohnt sich!

Ich bin heute sehr zufrieden mit meiner Entscheidung und bin froh darüber, in diesen unsicheren Zeiten einen Job gefunden zu haben, der so gut zu mir passt. Der Berufseinstieg während Corona ist mir also gelungen. Allen, die sich gerade in der Bewerbungsphase befinden und denen es ähnlich geht wie mir damals, soll gesagt sein: Kopf hoch, bewerbt euch weiter, denn auch für euch gibt es eine passende Stelle, die euch glücklich macht!

Über unsere Gastautorin

Nina Simon
Nina Simon | Chemikerin im Technical Support von BELFOR Europe GmbH

Nina Simon schloss 2020 erfolgreich das erste Staatsexamen im Fach Lebensmittelchemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ab. Danach stieg sie als Chemikerin bei der BELFOR Europe GmbH in Neufahrn bei Freising ein. Das weltweit agierende Unternehmen ist unter anderem auf die Sanierung von Brand-, Wasser-, Staub- und Schimmelschäden spezialisiert.

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