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HR-Trends Around The World – Von Hongkong bis Silicon Valley

Event-Rückblick: Wantedly MeetUp “New HR-Trends for 2019”

Auf dem Wantedly MeetUp in Berlin bekam unsere Searchtalent HR Ambassadorin Lisa interessante Einblicke über aktuelle Entwicklungen und HR-Trends aus aller Welt. Diese Personaler Themen beschäftigen Unternehmen in den USA, Asien oder Europa!

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Oft schaffen wir es nicht über unseren alltäglichen Tellerrand hinauszuschauen und bewältigen unsere Probleme alleine. Wie geht es eigentlich anderen Unternehmen mit aktuellen HR-Themen? Ist die steigende Wechselbereitschaft ein generelles Generationsproblem? Wie sieht es außerhalb von Deutschland im Recruiting aus?

Eine gute Gelegenheit diese Fragen zu beantworten, war das MeetUp “New HR-Trends for 2019” von Wantedly am 16.01.2019 im WeWork in Berlin. Felix Berghöfer (HR Director Visual Meta), Justin Lai (Country Manager Wantedly HongKong) und Leonie Deisel (Key Account Manager, Potential Park) haben HR-Entwicklungen aus der ganzen Welt vorgestellt und interessante Einblicke mitgebracht.

USA - Silicon Valley und Faktor Feelgood Management

Den Anfang machte Felix mit seinem Vortrag “Insights from my recent trip to Silicon Valley”. Wenn ich Silicon Valley höre, sind meine ersten Assoziationen: Start-Up-Nirvana und hohe Gehälter – doch wie ist die aktuelle Lage wirklich?

Felix hat diese und weitere Fragen auf seiner Tour durch das Silicon Valley beantwortet. So viel ist klar, die Arbeitslosenquote im Silicon Valley ist sehr niedrig – mit 2,4% deutlich niedriger als in Deutschland (im Dezember 2018: 4,9%). Zudem liegt die durchschnittliche Unternehmenszugehörigkeit gerade einmal bei 1,5 Jahren, was das Recruiting nicht gerade leicht macht. Viele Unternehmen bieten daher eine Reihe von Benefits an, welche den teuren Lebenshaltungskosten Ausgleich bieten sollen:

  • Getränke und Snacks am Arbeitsplatz
  • Freies Mittagessen - 2 bis 3 / Woche
  • Hunde am Arbeitsplatz
  • Zuschläge für Fahrtkosten
  • 100% Übernahme der Krankenkassenkosten
  • Anteilige Übernahme der Fitnessstudiokosten

Darüber hinaus zahlen viele Firmen einen Bonus (bis zu $30.000) bei Vertragsunterzeichnung, was jedoch die Wechselbereitschaft zusätzlich anregt.

Durchschnittlich sind die Gehälter 2-3x höher als in Berlin – ein Engineer startet i.d.R. mit $100.000 und kann bis zu $200.000 verdienen. Dagegen sind die Lebenshaltungskosten aber auch extrem hoch, eine 2-Zimmer-Wohnung kostet z.B. $3.000 im Monat.

Um sich von anderen Unternehmen noch mehr abzuheben, beschäftigt viele HR’ler im Silicon Valley aktuell das Thema Urlaub. Einige Firmen haben z.B. unbegrenzte bezahlte Urlaubstage eingeführt, was jedoch nicht immer gesund ist, denn Mitarbeiter haben teilweise Angst, dass ihr Job nach ihrem Urlaub weg sein könnte. Dieser Trend wandelt sich langsam zu notwendigen bezahlten Urlaubstagen um sicherzugehen, dass Mitarbeiter sich erholen. Diese weiteren HR-Trends hat Felix entdeckt:

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Insgesamt kann man sagen, dass Unternehmen im Silicon Valley in Sachen HR den Deutschen Unternehmen nicht weit voraus sind. Abschließend hat Felix noch einen entscheidenden Vorteil hervorgehoben: der “Blue Card” Prozess in Deutschland ist im Vergleich zum Visa Prozess in der aktuellen Donald Trump Regierung deutlich schneller und unkomplizierter, sodass wir auf internationale Talente zurückgreifen können.

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Asien - Schnell, digital und mobil von Hongkong bis Singapur

Ähnliche Eindrücke hat Justin aus dem Asiatischen Raum mitgebracht. Rund 56% der Unternehmen sagen, dass das Recruiting sich in 2019 weitaus schwieriger gestalten wird, als in 2018. Passend dazu planen 50% der Angestellten in Singapur ihr Unternehmen in den nächsten 12 Monaten zu verlassen. Insgesamt lassen sich in Hongkong, China und anderen Teilen Asiens folgende Herausforderungen aufzeigen:

  • Hochqualifizierte Talente auf sich aufmerksam zu machen
  • Die richtigen Recruiting-Kanäle zu identifizieren
  • Top Talente können nicht mehr nur durch ein hohes Gehalt gewonnen werden
  • Die hohe Fluktuation

Justin konnte einige Bewegungen in der HR-Szene beobachten, welche sich den Herausforderungen stellen. Zum Beispiel gewinnen Empfehlungsprogramme immer mehr an Bedeutung. Diese sind auch hier in Deutschland ganz vorne dabei, wenn es um Recruitingkanäle geht.

Jedoch haben Mitarbeiterempfehlungen im asiatischen Raum noch mal eine stärkere Bedeutung, denn kulturell gesehen würde dort ein Mitarbeiter nie eine Person empfehlen, welche nicht perfekt auf den Job passen würde. Das Verständnis von Respekt und Ehre ist hier sehr deutlich ausgeprägt.

Weitere Trend-Kanäle sind Soziale und professionelle Netzwerke – weitaus massiver als bei uns. Man wird förmlich mit Content überflutet. Die Internetnutzung ist in Myanmar in einem Jahr um 97% gestiegen – davon sind 70% mobile User. Damit einher geht der Trend, Bewerber über Nachrichtendienste zu kontaktieren, denn die Antwortrate ist sehr viel höher als auf E-Mails oder Anrufe.

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Eins haben aber alle Metropolen, egal ob in den USA, Asien oder Europa gemeinsam: Wenn Unternehmen Kandidaten nicht mobil erreichen, tun es andere Unternehmen, vor allem in Anbetracht der Millennials, welche 2020 den Großteil der Arbeitnehmer abbilden werden!

Europa - War for Talents beim Social Recruiting

Millennials waren auch Teil der “Talent Communication Studie” (43.000 Rückmeldungen / Studenten und Absolventen), welche Leonie uns in ihrem Vortrag “HR Insights and New Developments in Europe” vorgestellt hat. Die Wahl des richtigen Recruiting Channels ist bei so vielen unterschiedlichen Generationen und Zielgruppen extrem wichtig, aber wo tummeln sich denn nun die Bewerber?

Weiterhin sind die meisten Kandidaten auf Facebook unterwegs, dazu ist aber zu sagen, dass Facebook nicht so stark mit beruflichen Intentionen verbunden wird, wie LinkedIn. Am meisten zugelegt hat Instagram in den letzten Jahren, wobei sich die Unternehmen erst langsam an den Kanal heran trauen.

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Auffällig ist, dass Twitter 2017 noch von rund 20% mehr Unternehmen genutzt wurde, obwohl der Kanal nie von sonderlich vielen Bewerbern genutzt wurde – naheliegend also, dass die Nutzung auch von Unternehmen deutlich abnimmt.

Angenommen, wir als HR’ler haben den richtigen Kanal identifiziert und einige passende Bewerbungen generiert. So, Stelle besetzt – oder? Nein, ganz im Gegenteil, denn viele Unternehmen haben mit zahlreichen Dropouts im Bewerbungsprozess zu kämpfen. Woran das liegen könnte, zeigt folgende Auswertung sehr deutlich:  

Trotz der vielen Steine, die manches Unternehmen den Bewerbern in den Weg legt, schaffen es einige Bewerber bis zum letzten Step und bekommen ein Vertragsangebot. “Jetzt kann ja nicht’s mehr schief gehen.”, sagte der zufriedene HR’ler und nahm die Stellenanzeige offline. Falsch, wie Leonie anhand der Daten belegt. Denn 69% der Bewerber stimmen der Aussage “Ja, ich informiere mich über potentielle Arbeitgeber auf Bewertungsplattformen” zu. Darauf folgt, dass 28% der Bewerber (in Europa) ein Vertragsangebot ablehnen würden, wenn sie negative Bewertungen über den Arbeitgeber lesen. Da stellte der HR’ler die Jobanzeige wieder online…

Damit genau das nicht passiert hat Leonie zum Abschluss ein paar Tipps:

  • Seid transparent!
  • Ermöglicht und fördert echte Interaktion mit euren Bewerbern.
  • Nutzt die Sozialen Medien zielgruppengerecht.
  • Befasst euch mit eurem Arbeitgeberruf und lernt diesen zu managen.
  • Entwickelt sowohl das Recruiting als auch die Candidate Experience - das eine funktioniert ohne das andere nicht!

“You can not hide from review platforms!” – Leonie

Ein sehr passendes Schlusswort für diesen wirklich sehr informativen Vortrag!

FAZIT - Was wir daraus lernen können

Was habe ich beim Wantedly MeetUp gelernt? Ich habe gelernt, dass wir mit unseren Problemen nicht alleine sind – von der USA bis nach Asien herrschen ähnliche Probleme. Ein Grund mehr uns über die Grenzen hinweg zu vernetzen! Ich habe gelernt, dass nicht allein die Millennials verantwortlich für  die steigende Wechselbereitschaft sind, denn ein Bonus bei Vertragsunterschrift ist schon sehr verlockend. Und ich habe gelernt, dass mein Engagement im Bereich Employer Branding und Bewertungsplattformen in die richtige Richtung geht – #Motivation!

Zum dritten mal war ich nun bei Wantedly zu Besuch und bin immer wieder erstaunt, wie gut die Qualität dieses kostenlosen MeetUps ist. Ich habe viele neue Eindrücke mitgenommen und erweitere regelmäßig meinen Horizont – Vielen Dank Wantedly!

 

Über unsere Autorin

Lisa Engels Searchtalent
Lisa Engels
HR Ambassador von Searchtalent / VB Business Group

Lisa ist als HR Ambassador von Searchtalent auf den aktuellsten Veranstaltungen im Personalbereich unterwegs und berichtet passioniert darüber, was in der HR-Szene gerade passiert. Dabei liegt ihr Fokus auf Employer Branding, Recruiting und innovativen Personaler-Trends. Für unsere Leser sammelt sie die wichtigsten Informationen und berichtet über die neuesten Erkenntnisse der Branche.

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